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2015-09-15: ZöBiS-Lehrerfortbildung war ein voller Erfolg

Ein wesentliches Anliegen der ökonomischen Bildung ist die lebensnahe und verstehbare Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge. Auf diese Weise wird nicht nur das Verständnis unseres Wirtschaftssystems befördert, sondern auch die Grundlage dafür gelegt, um in Fragen der Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik kompetent und kritisch mitdiskutieren zu können.

Im Rahmen der jüngsten Lehrerfortbildung des Zentrums für ökonomische Bildung an der Universität Siegen (ZöBiS), die erstmals am Campus Unteres Schloss durchgeführt wurde, konnte dieser Gedanke anhand praxisnaher Lehr-Lern-Arrangements veranschaulicht und konkretisiert werden. 60 Lehrerinnen und Lehrer aus der Region und dem weiteren Umland hatten dazu ihren Weg an die Universität Siegen gefunden. Im Mittelpunkt standen mehrere praxisnahe Workshops, in denen kreative Unterrichtsvorschläge durch Fachdidaktiker und bewährte Praktiker präsentiert wurden. Die Referenten öffneten wohltuend innovativ und integrativ die Perspektive auf den komplexen Lerngegenstand „Wirtschaftsordnung und -politik“. Diese Offenheit und Mehrdimensionalität zeigte sich sowohl in der Kombination ökonomischer, juristischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse als auch im gelungenen Einsatz eines sehr reichhaltigen Methodenmix.

dsc_0820Oberstudienrat Michael Weyland, abgeordneter Lehrer am ZöBiS und Hauptorganisator der Veranstaltung, stellte folgende Frage in den Mittelpunkt seines Workshops: Wie kann man im Unterricht das Wesen der Sozialen Marktwirtschaft verdeutlichen und dabei sowohl fachwissenschaftlichen als auch fachmethodischen Ansprüchen gerecht werden, ohne die Schüler zu überfordern und den Unterricht inhaltlich zu überfrachten? Speziell für das Inhaltsfeld Marktwirtschaft, so Weyland, bietet sich dazu der verstärkte unterrichtliche Einsatz ökonomischer Experimente ganz besonders an. Exemplarisch stellte er mehrere experimentelle Lehr-Lern-Arrangements vor, die besonders auf die Förderung intelligenten Wissens zielen. Anknüpfend an ein Marktmodell wurden verschiedene Marktform-Simulationen entwickelt und in weiteren Schritten variiert. Dabei stand die Leitidee im Mittelpunkt, die anwesenden Lehrer in die Lage zu versetzen, die vorgestellten Aufgabenformate auf neue Themenfelder selbständig zu übertragen.

dsc_0775Oberstudienrat Gregor Pallast, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZöBiS, präsentierte in einem zweiten Workshop mit dem „Inselspiel“ eine innovative Unterrichtsreihe für die Sekundarstufe I. Sie dient dazu, Schülerinnen und Schülern exemplarisch und anschaulich-konkret sozialwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen zu vermitteln. Dazu werden sie in folgende fiktive Situation eingeführt, die sie im weiteren Unterricht begleitet: „Die Klasse hat eine Flugreise in die Karibik gewonnen. Bedauerlicher Weise ist das Flugzeug aufgrund eines technischen Defektes abgestürzt. Die Schüler konnten sich auf eine einsame Insel retten – jedoch ohne den Lehrer…“ Unter diesen Rahmenbedingungen können die Lernenden nahezu beliebig vor neue konkrete Probleme und Herausforderungen gestellt werden, die sie in der Gruppe meistern müssen und die sie an fundamentale Schlüsselprobleme der Ökonomie (z.B. Knappheit von Rohstoffen und Gütern, Arbeitsteilung, Erfindung des Geldes) heranführen.

dsc_0844Im Mittelpunkt des dritten Workshops zum Thema „methodischer Umgang mit wirtschaftspolitischen Texten“ standen vielfältige Alternativen zu herkömmlichen Texterschließungs-Aufgaben aus Schulbüchern. So kann z.B. die Argumentationsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern systematisch verbessert werden, wenn typische Satzbau-Muster im Unterricht zur Verfügung gestellt werden. Textpuzzle, Strukturskizzen oder Erklärvideos ermöglichen weitere vielfältige Zugänge zu den häufig abstrakten sozialwissenschaftlichen Textausschnitten, wie im Rahmen des Workshops von Sarah Lang, Studienrätin am Siebengebirgsgymnasium Bad Honnef, eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. 

Dass am ZöBiS neben klassischen Unterrichtsmaterialien auch Lehr-Lern-Arrangements für elektronische Schulbücher entwickelt und beforscht werden, war für viele der anwesenden Lehrer eine Überraschung. Dass das gedruckte Schulbuch künftig immer mehr Konkurrenz durch Tablet-PCs bekommen wird, hingegen nicht. Manuel Froitzheim, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZöBiS, veranschaulichte diese Entwicklung mithilfe der am ZöBiS entwickelten App „Pit Market“ und diskutierte mit den anwesenden Lehrerinnen und Lehrern über Chancen und Grenzen des Einsatzes digitaler Medien im sozialwissenschaftlichen Fachunterricht. (Weitere Informationen)

Umrahmt wurde die Veranstaltung von zwei Fachvorträgen. Die beiden Vorsitzenden des ZöBiS, Prof. Dr. Hans Jürgen Schlösser und Prof. Dr. Nils Goldschmidt, erläuterten dazu auf anschauliche Weise insbesondere solche Grundlagen der beiden Inhaltsfelder „Wirtschaftsordnung“ und „Wirtschaftspolitik“, welche in marktgängigen Schulbüchern gern übersehen werden. Das ZöBiS-Team zog ein positives Fazit der gesamten Veranstaltung. „Die Mischung aus Impulsvortrag und Workshops hat sich bewährt und die Reaktionen der Teilnehmer waren so positiv, dass wir die Fortbildung auch nächstes Jahr wieder in diesem Format anbieten werden“, so das Urteil des ZöBiS-Geschäftsführers AOR Dr. Michael Schuhen. Dann wird die Veranstaltung bereits zum neunten Mal durchgeführt. Tagungsthema werden voraussichtlich aktuelle Fragen zur Geldpolitik der EZB und der Stabilität des Euro sein.