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Katalog der UB Siegen

Aktuelle Promotionsvorhaben der Wissenschaftlichen Mitarbeiter und externen Doktoranden am ZöBiS

Interne Doktoranden

Julian Dörr: Analyse der europäischen Kohäsionspolitik aus einer ordnungsökonomischen Perspektive
Betreuer: Professor Dr. Nils Goldschmidt, Promotionsstudiengang an der Hochschule für Politik, München


Mit dem Beitritt der Transformationsstaaten in Mittel- und Osteuropa zur EU vergrößerte sich das Wohlstandsgefälle erheblich. Zur Verringerung solcher regionaler Disparitäten bemüht sich die Union mit der europäischen Kohäsionspolitik um eine aktive Unterstützung ökonomischer Aufholprozesse. So sind bis Ende 2013 knapp 223 Mrd. Euro Kohäsionsmittel zur Integration der Länder Mittel- und Osteuropas geflossen, die für die jeweiligen Länder den Großteil des nationalen Budgets an Entwicklungsausgaben bilden. Der hohen Bedeutung steht jedoch die zunehmende Kritik an der gemeinschaftlichen Regional- und Strukturpolitik gegenüber. Um dieses Politikfeld – insbesondere auch in Hinblick auf die öffentliche Meinung – legitimieren zu können, muss wesentlich die Frage nach der Wirksamkeit beantwortet werden. Ziel der Dissertation ist es, mittels der Ordnungsökonomik hierzu einen neuen Zugang zu schaffen. Erweitert man den Begriff der Rückständigkeit, der primär als Fortschritt des Catch-Up-Prozesses gemessen am Bruttoinlandsprodukt definiert wird, um die institutionelle Dimension, so ergeben sich wichtige Befunde, die Hinweise für einen besseren Einsatz der Kohäsionspolitik liefern können. Somit erweitert diese Herangehensweise durch eine neue, breitere Fragestellung die Perspektive über das ökonomische Effizienzkriterium hinaus. Um Konvergenz der Lebensqualität zu erreichen und das weiterhin hohe Wohlstandsgefälle zu verringern sind folglich nicht zwingend mehr Kohäsionsmittel erforderlich, sondern ist vielmehr eine Neuorientierung der Kohäsionspolitik notwendig.

Dipl.-Gyml. Manuel Froitzheim: Ein elektronisches Schulbuch aus fachdidaktischer Perspektive
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


In der Bildungslandschaft zeichnet sich zunehmend ein Umbruch durch den Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht ab. Es
werden verstärkt digitale und elektronische Bildungsmedien produziert und an den Schulen eingesetzt. Zum Teil werden
bisherige Materialien digitalisiert und die zusätzlichen Möglichkeiten der mobilen Endgeräte nicht sinnvoll genutzt.
Die mobilen Endgeräte haben Leistungsspezifikationen wie ein Laptop und können deutlich mehr als PDF-Dateien anzeigen. Des Weiteren haben viele Geräte zahlreiche Sensoren, zum Beispiel ein GPS-Sensor zur Positionsbestimmung oder eine Kamera. Diese Sensoren können mit einer entsprechenden Software sinnvoll in den Unterricht integriert werden.
Im Rahmen des Dissertationsprojektes werden die existierenden Materialien aus fachdidaktischer Perspektive analysiert und evaluiert. Daraus wird ein didaktisches Konzept zum Einsatz von Tablet Computern im Ökonomieunterricht erstellt. Darauf aufbauend kann ein elektronisches Schulbuch, indem das didaktische Konzept praxisorientiert umgesetzt wird, entwickelt werden. Dieses neue elektronische Schulbuch sollte einen Mehrwert gegenüber dem herkömmlichen Schulbuch bieten. Dieser Mehrwert wird im Rahmen einer empirischen Evaluierung überprüft.

Fritjof Kollmann: Die Entwicklung, Implementierung und Analyse interaktiver Übungsaufgaben auf mobilen Endgeräten und die Integration dieses Systems in universitäre Vorlesungen mit begleitender Interventionsstudie zur Analyse der Effekte auf den Lernprozess der Studenten.
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


In der Dissertation wird zu Beginn ein „rapid application development tool“ zur Gestaltung interaktiver Lehrveranstaltungen entwickelt (www.mted.de). Neben dem Portal mted.de wird ein PowerPoint Plug-In, der MTED Presenter, eine Teilnehmer App und der MTED Editor implementiert.

Seit dem Wintersemester 2013/14 wird mit einer Interventionsstudie untersucht, welchen Einfluss die MTED Module unter anderem auf den Wissenserwerb von Studenten in universitären Vorlesungen haben. Grundsätzlich werden zwei Varianten für die jeweiligen Vorlesungen entwickelt. In der ersten Variante (Interventionsgruppe) werden über mobile Endgeräte interaktive Übungen in die Vorlesung integriert. In der zweiten Variante (Kontrollgruppe) wird die Vorlesung (im Folgesemester) ohne Interventionen durchgeführt, sodass nur der Einsatz der interaktiven Übungen variiert wird. Zur Erfassung verschiedener Konstrukte wird der Einsatz der MTED Module durch standardisierte Fragebögen evaluiert. Wird im ersten Drittel der Vorlesung ein Vortest durchgeführt, in dem Daten zur Motivation, Vorwissen, Selbsteinschätzung, Akzeptanz von mobilen Endgeräten, Konzentration und Lernpräferenzen erhoben werden. In den folgenden drei Vorlesungsterminen werden jeweils zwei interaktive Übungen inklusiv Feedbackphase durchgeführt und am Vorlesungsende durch einen Fragebogen evaluiert. Durch dieses Vorgehen werden umfangreiche Daten zur Analyse kognitiver und nicht-kognitiver Effekte erhoben. Am Ende des Semesters wird durch die abschließende Prüfung erneut ein Wissenstest durchgeführt. Durch die erhobenen Daten sollen am Ende des Vergleichssemesters mögliche Effekte durch den Einsatz der interaktiven Übungen identifiziert werden.

Im letzten Schritt sollen die Daten der Studie im Kontext der Lernentwicklung ausgewertet werden. Abschließende Ergebnisse zu den Effekten auf kognitive und nicht-kognitive Bereiche liegen vor, wenn die Ergebnisse der Kontrollstudie im Wintersemester 2014/2015 ausgewertet wurden.

Susanne Schürkmann: Financial literacy – Theoriegeleitete Konstruktvalidität im Kontext der Diskussion in der Kompetenzforschung
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


Die Diskussion über eine financial literacy ist in den letzten Jahren und Monaten, durch die Zunahme im gesellschaftspolitischen Kontext finanziell agieren zu können, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt (Schürz, Weber 2005). Neben dem individuellen Nutzen einer hohen financial literacy steht der volkswirtschaftliche Gesamtnutzen einer Gesellschaft. Individuelles Handeln in alltäglichen zunehmenden finanzorientierten Situationen hat eine hohe Bedeutung für das Gesamtwohl einer Gesellschaft (Aprea 2012, S.1).

Aus diesem Kontext entwickelt sich eine hohe Anzahl von Studien heraus, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in unterschiedlichen Sinnzusammenhängen auf ihre financial literacy, financial capability oder financial culture messen. Dabei werden die gerade genannten Begriffe synonym verwendet und geben vor, das gleiche Konstrukt zu messen, ohne dieses explizit zu definieren. Begründet liegt die Signifikanz einer hohen financial literacy bei Schülern darin, dass diese mit eigenen Finanzmitteln nur eingeschränkt interagieren können und von komplexen finanzpolitischen Kontexten nicht betroffen sind. Doch mit dem Schritt in das Berufsleben bzw. mit der Aufnahme eines Studiums ändert sich die wohlbehütete finanzielle Situation der Schüler, in eine individuelle verantwortungsvolle Rolle, die von den Schülern im Kontext der Finanzwelt eigenständig ausgeübt werden muss. Integriert in diese Ausgangslage ist die Frage, was financial literacy explizit beinhaltet und ob eine financial literacy überhaupt eine Legitimation zur eigenständigen Existenz hat. Die Herleitung des Konstrukts financial literacy im Rahmen der ökonomischen Bildung und die Überprüfung des Konstrukts unter kompetenzorientierten Aspekten, mittels der Methoden der Strukturgleichungsmodelle, stehen im Vordergrund der Dissertation.

Die Basis der Datenerhebung bildet eine vom Zentrum für ökonomische Bildung durchgeführte Studie zur financial literacy. Die Pilotstudie FILS (Financial Literacy Study) wurde 2012 an allgemeinbildenden Schulen in Teilen von Deutschland durchgeführt und implementiert das für diese Arbeit relevante Konstrukt einer financial literacy.

Ziel dieser Dissertation ist es, neben den spezifischen schülerorientierten Ergebnissen, ein kompetenzorientiertes Strukturgleichungsmodell zu entwickeln, welches ein theoriebasiertes Konstrukt einer financial literacy darstellt. Gegenüber der theoriegeleiteten Konstruktvalidität wird mittels etablierten Methoden das Konstrukt erneut geprüft und beide Ergebnisse zur Diskussion gestellt.


Externe Doktoranden

Pia Becker: Das Zusammenspiel formeller und informeller Institutionen bei der Umsetzung von Reformkonzepten –
Eine Analyse am Beispiel von Kenia und Uganda

Betreuer: Professor Dr. Nils Goldschmidt, Promotionsstudiengang an der Hochschule für Politik, München

Trotz jahrzehntelanger Reformbemühungen in der Entwicklungszusammenarbeit sind weite Teile des afrikanischen Kontinents nach wie vor geprägt von Armut und wirtschaftlicher Unterentwicklung. Die in den Reformkonzepten angestrebten Ziele konnten oftmals nicht erreicht werden. Darüber hinaus ist es nach wie vor ungeklärt, warum sich einige Länder schneller entwickeln als andere.

Das Dissertationsvorhaben widmet sich dieser Problematik, indem es der Frage nachgeht, welche Rolle das Zusammenspiel zwischen den in den Reformen eingeführten formellen Institutionen mit den vor Ort bestehenden informellen Beschränkungen bei der Umsetzung von Reformkonzepten hat. Dabei werden auch die individuellen Deutungsmuster über dieses Zusammenspiel mit in die Analyse einbezogen. Ein Fokus des Projektes liegt auf der Rolle von Entwicklungsberatern, deren Aufgabe es ist, institutionelle Reformen, die zumeist aus westlichen Ländern stammen, in Entwicklungsländern einzuführen. Im Rahmen der Arbeit werden solche Personen als kulturelle Dolmetscher identifiziert. Aufgabe dieser kulturellen Dolmetscher ist es, die Reformen zu implementieren und der Bevölkerung zu kommunizieren.

Neben einer (institutionenökonomischen) theoretischen Auseinandersetzung mit den hier skizzierten Fragen werden empirische Feldstudien zur Untersuchung der Umsetzung von Weltbank-Reformkonzepten in Kenia und Uganda durchgeführt. Den Hauptteil des empirischen Datenmaterials bilden qualitative Leitfadeninterviews mit den mit der Umsetzung der Reform betrauten Akteuren. Die Ergebnisse der Analyse lassen sowohl Rückschlüsse für die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit als auch für die institutionenökonomische Forschung zu Fragen wirtschaftlicher Entwicklung und institutionellen Wandels zu.


Benjamin Geldsetzer: Ökonomische Grundbildung von Kommunalpolitikern
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


Die Finanzlage deutscher Kommunen kann aufgrund ungünstiger politischer und ökonomischer Trends als überaus angespannt angesehen werden. (Kost, A. 2003) Auch wenn eine Liste möglicher Erklärungsversuche dieser finanziellen Schieflage sehr vielschichtig ist, so sind dennoch zwei Hauptstränge im Ursachengeflecht erkennbar.

Zum einen greift das bei der Verteilung des Steueraufkommens geforderte Konnexitätsprinzip nicht, so dass den Kommunen oftmals eine ausreichende finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der mit Bund und Länder tangierenden Aufgaben verwehrt bleibt.

Zum anderen haben Entscheidungen in politischen Gremien zu einer z.T. prekären finanziellen Situation der Kommunen und Gebietskörperschaften geführt. Dies liegt mitunter auch daran, dass die ökonomische Kompetenz und die notwendige Folgeabwägung insbesondere bei den meist ehrenamtlichen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger keine Voraussetzung für die Übernahme eines politischen Mandats sind.

Ausgangspunkt des Dissertationsvorhabens ist die Feststellung, dass vor dem Hintergrund der kommunalen Verschuldung die Relevanz einer ökonomischen Grundbildung von Kommunalpolitikern in der Theorie bis dato vernachlässigt, ja, zum großen Teil schlichtweg ignoriert wurde. Lediglich die 2013 fertiggestellte finanzund politikwissenschaftliche Untersuchung zu den „Ursachen kommunaler Haushaltsdefizite“ an der Technischen Universität Kaiserslautern beschäftigt sich ansatzweise mit der Problematik, dass es sich bei der prekären Finanznot um eine „hausgemachte“ Krise handelt, die von Kommunalpolitikern in einem nicht geringen Maße selbst verschuldet ist (Boettcher, F. 2013). Ansatzpunkt dieser Studie ist die Erkenntnis, dass die Kommunen in Nordrhein Westfalen trotz ähnlicher Rahmenbedingungen ganz unterschiedliche Haushaltsergebnisse erzielen.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, ausgehend von einer Beschreibung einer ökonomischen Grundbildung von Erwachsenen eine empirische Erhebung zu konstruieren, die die ökonomische Kompetenz von Kommunalpolitiker misst, um so zu Handlungsempfehlungen für die politische Bildungsarbeit und die politische Kommunikation auf der kommunalen Ebene zu gelangen.

Dipl.-Soz. Maria Neubauer: Konsumkompetenz. Konzeptionierung und Operationalisierung des Begriffs für die ökonomische Bildung
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


Die Dissertation untersucht den Begriff der Konsumkompetenz als ein Konstrukt der ökonomischen Bildung. Ziel der Arbeit ist es, den Begriff für Large-Scale-Assessments im Rahmen der Bildungsevaluation zu operationalisieren. Es wird von einem allgemeinen Kompetenzbegriff, der verschiedene Facetten umfasst, ausgegangen. Der Begriff des Konsums orientiert sich an der Lebenswelt junger Erwachsener.

Um den Begriff der Konsumkompetenz zu analysieren, wurden zunächst Studierende des Lehramtsstudiengangs Sozialwissenschaft zu ihrer Auffassung von Konsumkompetenz befragt. Anschließend wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse die gewonnen Beschreibungen kategorisiert werden. Die dadurch entstehenden Kategorien werden als Teilkonstrukte des Konstrukts Konsumkompetenz betrachtet. Aufbauend auf dieser Vorarbeit wurden diese Kategorien überarbeitet und ergänzt durch Zuhilfenahme von Beschreibungen in der Literatur.

Die so gewonnen Teilkonstrukte werden im theoretischen Teil der Arbeit erläutert und auf die Möglichkeit hin untersucht, inwieweit sie sich in Large-Scale-Assessments messen lassen. Es werden Gütekriterien zur Messung von Tests für die ökonomische Bildung zusammengetragen und eingesetzt. Aus der Analyse der Teilkonstrukte wird eine Schlussfolgerung zur Möglichkeit von Tests in Large-Scale-Assessments für das Konstrukt Konsumkompetenz gezogen. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden Teilkonstrukte gewählt, die anschließend die Grundlage bilden für ein Instruments zur Messung der Konsumkompetenz. Das Instrument unterscheidet sich von Multiple Choice Test, die hauptsächlich Faktenwissen erfassen, darin dass es einen Rückschluss auf die Handlungen der Testteilnehmer in bestimmten Konsumsituationen zulässt.

Das Instrument wurde mit Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahren in einem Pretest getestet. Mithilfe dieses Verfahrens wurden erste Rückschlüsse auf die kognitiven Vorgänge beim Beantworten des Instruments gewonnen. Nach einer Überarbeitung wurde das Instrument an mehrere 8. Klassen einer Realschule ausgeteilt. Um das Instrument zu validieren, wurden u. a. Einstellungen, Verhaltensweisen und Wissen zu typischen Konsumsituationen der Schülerinnen und Schüler erfasst. Diese Angaben wurden anschließend mit statistischen Verfahren getestet, um die Validität des Instruments zu beurteilen. Die ersten Ergebnisse weisen u.a. darauf hin, dass die Probanden ihre Antworten an ihrem eigenem Konsumverhalten ausrichten und die Beantwortung für die Zielgruppe leicht ist. Die Ergebnisse zu einigen Aufgaben zeigen auch typisch jugendliches Denkverhalten.

Nina Stadler: Gründungsverhalten in Deutschland – Entwicklungen und Einschränkungen der Senior Entrepreneurs
Betreuer: Professor Dr. Hans Jürgen Schlösser


Die geplante Dissertation untersucht die Entwicklungen und Einschränkungen des Gründungsverhaltens in Deutschland vor dem Hintergrund des demographischen Wandels.

Die theoretische Grundlage besteht aus der Abgrenzung von Jungunternehmern und älteren Gründern, sogenannten Senior Entrepreneurs. Betrachtet wird dies vor dem Hintergrund der Altersstruktur in Deutschland und deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Im Fokus stehen hierbei vor allem Charaktereigenschaften und Motivationen der Gründer. Aber auch welchen Einschränkungen und Hindernissen ältere Unternehmer gegenüber ihren jüngeren Mitstreitern unterliegen.

Basierend auf den Erkenntnissen ist eine qualitative Untersuchung von älteren Unternehmensgründern geplant und deren Einschätzung bezüglich vorher gewonnener Theorien.