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Deutsche Schüler sind keine finanziellen Analphabeten

Ein Budget kalkulieren, online überweisen, die Altersvorsorge planen: können 15- bis 16-Jährige das? Siegener Wissenschaftler haben das in einer Studie untersucht.

 In den kürzlich veröffentlichten PISA-Ergebnissen zur finanziellen Bildung von Jugendlichen schneiden viele Länder schlecht ab. Deutschland nicht – es hatte gar nicht teilgenommen. Wirtschaftswissenschaftler Dr. Michael Schuhen und Susanne Schürkmann vom Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS) der Universität Siegen finden das richtig. Die PISA-Studie sei wenig aussagekräftig, sagen sie. Deshalb haben die beiden seit 2012 eine eigene Studie zu den finanziellen Kompetenzen deutscher Jugendlicher durchgeführt. Eines der Ergebnisse lautet: Deutsche Schülerinnen und Schüler sind nicht pauschal finanzielle Analphabeten. Bei den Themen Schulden und Versicherungen haben sie aber großen Nachholbedarf.

„Wir bestärken Deutschland darin, nicht an der PISA-Studie teilzunehmen, weil es dabei im Wesentlichen um mathematische Kenntnisse geht“, sagt Michael Schuhen. „Nur weil wir rechnen können, verstehen wir aber nicht automatisch wirtschaftliche Zusammenhänge“, erklärt er seine Kritik. Ihre eigene, nicht repräsentative Studie haben die Siegener Wissenschaftler deshalb anders konzipiert. Sie gaben den 400 teilnehmenden SchülerInnen Tools an die Hand, zum Beispiel einen Sparratenrechner, mit dessen Hilfe die 15- und 16-Jährigen Situationen aus dem echten Leben einschätzen sollten. Die Jugendlichen sollten im Test zum Beispiel erkennen, wie sie die Rentenlücke bei der Altersvorsorge schließen können. Entscheidend sei nicht die Zahl oder der Prozentsatz am Ende des Rechenweges, meint Schuhen. „Wenn mir mein Rechner einen Wert von 2,3 Prozent anzeigt, sagt mir das erstmal gar nichts. Ich muss wissen, wie ich die Zahl bewerte und wie sie sich auf meine Entscheidung auswirkt.“

Jugendliche haben Probleme Entscheidungen zu treffen  
 

Im Test sollten die SchülerInnen einschätzen, wie sicher oder risikobehaftet ihre Geldanlage ist, wie sie das Budget für ihren Einkauf kalkulieren, oder wie sie online eine Rechnung überweisen. Die reinen Rechenschritte konnten die meisten SchülerInnen gut lösen, ebenso gut konnten sie Online-Tools nutzen. Schwierig wurde es, wenn sie das Ergebnis auf ihre konkrete Lebensplanung übertragen oder Entscheidungen treffen sollten. „Da fehlt es schulformübergreifend an entsprechenden Kompetenzen“, erklärt Susanne Schürkmann. Die ForscherInnen fordern deshalb, ein institutionalisiertes Schulfach mit gut ausgebildeten Lehrern, wie es momentan in NRW diskutiert wird.

Das Problem liege darin, dass in Deutschland im Alltag selten über Themen wie Schulden oder Versicherungen geredet würde, beziehungsweise erst, wenn die Krise schon da sei. Schulden seien in Deutschland verbreitet ein Tabu-Thema. Beim Thema Sparen, also der Vermögensbildung, sehe das etwas anders aus. Das lernen Kinder teils schon, wenn sie Taschengeld zur Verfügung haben oder einen Ferienjob machen.

Die Siegener Wissenschaftler möchten keine Erziehungstipps geben. Wichtig ist ihnen, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben, ein gewisses Grundlevel an Finanzwissen und -kompetenz zu erlangen. „Was die Jugendlichen mit dem Wissen machen, ist ihre Sache. Wichtig ist, dass sie sich in der Finanzwelt auskennen und nicht abhängig von Empfehlungen oder Entscheidungen anderer sind, die fatale und kostspielige Konsequenzen haben können“, sagt Schürkmann.

Von Nora Frei

Quelle:  http://www.uni-siegen.de/start/news/forschungsnews/764973.html